Menschenkenntnis und Weltverbesserung

Die Psycho-Physiognomik Huters

Der autodidaktische Menschenkenner
 
Physiognomen scheinen vor allem in den Gesichtern ihrer Mitmenschen
intuitiv einiges über deren Persönlichkeit lesen zu können. Daher
muss es nicht überraschen, wenn Carl Huter (1861-1912), der
Begründer der Psycho-Physiognomik, bereits als Kind an konkreten
Menschen in seinem Geburtsorts Heinde, das heute als Ortsteil zur niedersächsischen Stadt Bad Salzdetfurth (1) gehört, seine Typologie entwickelt hat. So berichtet er in seiner „Menschenkenntnis“ von den
ersten grundlegenden Studien an Menschen“, „die für mich einen bleibenden Wert behielten, und die ich als aufmerksamer Menschenbeobachter in der Zeit von meinem fünften bis siebten
Lebensjahr, 1867-1869, gemacht habe.“ (Huter, S. 581)  

Geburtshaus Huters in Heinde
 
Danach lernte er in seiner ersten Kindheit und Jugend, „ganz rein und unbeeinflusst, von jeglichem Wissen und Studium frei“, die Guten von den Schlechten , die Streitsüchtigen von den Friedfertigen, die Arbeitsfleißigen von den Ruhe- und Nahrungsliebenden, die Feinfühligen von den Rohen zu unterscheiden(Huter, S. 578).
 
Die Harmonie- und Disharmoniemenschen
 
So fiel dem jungen Huter ein Bauer seines Heimatdorfes, der als
friedfertig, rechtschaffen und weise galt, „wegen seiner großen, weitge-wölbten Augen und hohen Stirne, wegen seiner schönen langen,
dabei vollen Kopf-, Gesichts- und Körperformen auf.“ (Huter, S. 578)
Später beobachtete Huter ähnliche Verbindungen von Gesichts- und Charakterzügen, sodass er zu der Überzeugung kam, dass es sich bei
diesen Menschen um Harmonienaturen handelt, da sie ihre innere Har-
monie auf ihre Umwelt übertragen.
 
Im Vergleich mit anderen Menschen kam Huter zu dem Schuss, dass
diese Harmoniemenschen sich deutlich von Tatmenschen unterscheiden
und eine Reihe weiterer typischer Eigenschaften besitzen: „sie waren
auch nicht sehr empfindlich und erregbar, sondern sie vermochten in
allen Lagen eine gewisse Ruhe zu bewahren. Auch fehlte diesen Men-
schen die Neigung zu auffallender Sinnenlust, zu Trunk, Spiel und übermäßigem Essen. Es waren die geborenen Philosophen und Leiter
von Betrieben in Haus, Hof, Werkstatt und Fabrik.“ (Ebenda)
 
In einem deutlichen Kontrast zu den Harmoniemenschen stand für den
jungen Huter ein Nachbar mit einem breiten Gesicht, dick
aufgeworfenen Lippen, einem kurzen gedrungenen Hals, einem
mittelgroßen gedrungenen Körperbau und großen Augen mit einem abstoßenden Blick. Auffallend waren zudem dessen Stirn und Schädel,
die nach den Ohren hin breit und nach oben zu niedrig waren.
 
Mit diesen physiognomischen Beobachtungen waren typische Charaktermerkmale verbunden, denn dieser Mann war jähzornig und gewalttätig, aß und trank reichlich und auf seinem Hof herrschte keine Harmonie, denn es verging fast kein Tag, ohne dass man Zeuge von Streitereien wurde. So typisierte ihn Huter als disharmonische Natur.
 
Die Ernährungs-, Bewegungs- und Empfindungsnaturen
 
Außer diesen beiden konträren Menschentypen fand Huter noch drei an-
dere Arten von Menschen, die ebenfalls grundverschieden in ihrer Natur
waren und die er die Ernährungs-, Tat- und Bewegungsmenschen nannte.
 
Die Ruh- und Ernährungsnaturen hatten eine "mittelhohe, breitrunde
Stirn, ein breitbackiges volles Gesicht, einen dicken, vollen Hals, einen gedrungenen Körper und neigten zur Ruhe und Bequemlichkeit."
(Ebenda, S. 579) Daher sah der junge Huter es als sehr passend an,
dass diese Familie ihr Brot nicht als Ackerbauer, sondern als
Viehzüchter verdiente.
 
Zudem fand er bei diesem Typ deutlichen Unterschiede zu den
Harmonienaturen, da bei ihnen Ordnung und Schönheit, aber auch Recht
und Gewissen klein geschrieben wurden. Er hielt sie für ausgeprägte Egoisten, die nur auf ihren eigenen Vorteil aus waren und auf Schäden,
die anderen erlitten, nur mit einem kaltherzigen Lachen reagierten. Da
diese Ernährungstypen trotz ihrer Korpulenz auf Dorffesten ohne
Beschwerden andauernd tanzen konnten, nahm Huter an, „dass die Entwicklung zu starker Körperfülle ihr angeborenes ganz natürliches
Naturell sei....“ (Huter, S. 580)
 
Eine ganz andere Menschenart entdeckte Huter unter den Bauern und Tagelöhnern, die einen langen, muskulösen, knochig starken Körper, einen langen Hals und ein langes Gesicht besaßen. Ihre Stirn war meist
nur "mäßig hoch, Füße, Hände, Finger, Ohren und Nase waren groß und
lang, ihr Haar meist hart oder struppig." (Ebenda) Diese Tatmenschen
waren häufig fleißige, nüchterne, aber rohe und ziemlich kaltherzige
Naturen. Sie hatten eine eiserne Gemütskälte, während die Ruh- und Ernährungsmenschen eine stärker gleichgültige Gemütskälte zeigten.
 
Einen fünfter Typ erkannte Huter an einem ausgeprägten Bewegungsdrang; denn diese Menschen standen gern morgens früh auf, liefen "sehr gern weite Wege zu Fuß ins Feld, auch gingen sie sonntags, wenn sie es nicht nötig hatten, oft weit in den Wald oder in ein Nachbardorf, oder sie spielten mit Vorliebe Kegelschieben, während die Ruhmenschen alle weiten Wege ungern gingen, lieber Karten spielten und Bier tranken." (Ebenda,)
 
Huter nannte diese gehlustigen Leute Bewegungsmenschen. Arbeit und Körperbewegung waren ihre liebsten Beschäftigungen. Diese selbstbewussten Naturen hatten sogar untereinander häufig Streit, wobei sie leicht handgreiflich wurden.
 
Auf Dorffesten beobachtete der angehende Physiognom, dass es bei der Anwesenheit zahlreicher Harmoniemenschen zu keinem Konflikt kam,
trat hingegen ein disharmonischer Mensch dazwischen, „entflammten“
die Leidenschaften und „die tollste Schlägerei war das Ende.“ (Ebenda)
 
Schließlich stieß Huter noch auf Menschen, die immer denselben Kopf-, Gesichts- und Körpertypus besaß. Es "waren kleine, zarte, schlanke Männer, Mädchen oder Frauen mit dünnem, zartem Hals, durchgeistigten Augen, feinen Gesichtszügen, Ohren, Lippen und Wangen, auch hatten sie fein- und edelgeformte Nasen, hohe, edel gewölbte Stirnen." (Ebenda) Diese hilfsbereiten Personen konnten sich fast bis zur Selbstaufopferung um andere kümmern. "Es waren empfindsame Gefühlsmenschen, voller Mitleid, Liebe und Barmherzigkeit, die Engelsnaturen unter den oft in Trunkenheit zu Barbaren herabgesunkenen Tatmenschen." (Ebenda, S. 580)
 
Huter fand jedoch außer diesen fünf Grundnaturellen zahlreiche Zwi-schennaturelle, bei denen zwei oder mehrere der fünf Grundtypen ver-
mischt auftraten. (Ebenda, S. 581) Diesen ersten Ansatz führte Huter später weiter, indem er in seiner Psycho-Physiognomik ein Bewegungs-,
ein Empfindungs- und ein Ernähungsnaturell als Grundtypen unterschied.
 
Huters Einsatz für seine Lehre
 
1884 hielt Carl Huter seinen ersten Vortrag über Psycho-Physiognomik.
In den folgenden Jahren schlossen sich fast bis zu seinem Tod 1912 weitere Vorträge und Schulungen in fast ganz Deutschland  an. 
 
Aber Huter hat in diesen Jahren nicht nur seine Lehre entwickelt und durch Bücher und Vorträge verbreitet. So arbeitete er zwischen 1885 und 1888 in Hildesheim, wo er bereits 1876 eine entsprechende Lehre absolviert hatte, als Porträtmaler und Kunstgewerbler.
 
In den Jahren 1892-3 musste er sich wegen einer Erkrankung an „Hals-
krebs", wie damals diagnostiziert wurde, mehrfach und mit wenig Erfolg
ärztlich behandeln lassen. Das veranlasste ihn zu einer Weiterentwick-
lung seines eigenen Heilssystems. Mit diesen Kenntnissen wagte Huter
1897 die Eröffnung einer eigenen Kuranstalt in Detmold. Obwohl diese
als Konkurrenz von den dortigen Ärzten, aber auch Naturheilern nicht
gerade begrüßt wurde, war Huter in seiner Detmolder Zeit besonders erfolgreich. So verfasste er eine Vielzahl von Schriften zur Behandlung verschiedener Krankheiten wie Gicht, Rheumatismus und Influenza.
 
In diese Zeit fallen auch die Gründung des Carl-Huter-Verlages und des Huterischen Bundes. Diese Vereinigung seiner Anhänger wurde 1901
durch einen Kongress in Detmold vorbereitet, auf dem der russische
Dichter Graf Leo Tolstoi Ehrenmitglied war, und erreichte 1906 mit 600 Mitgliedern ihren Höchststand.
 
Schließlich schrieb er in den Jahren zwischen 1904 und 1906 sein
Hauptwerk "Menschenkenntnis durch Körper-, Lebens-, Seelen-
und Gesichtsausdruckskunde".
 
Nachdem sich Huter 1908 von seiner Familie in Detmold getrennt hatte, eröffnet er im folgenden Jahr drei Institutionen in Leipzig, und zwar ein Institut für Analysen und Beratungen, eine Hochschule für psychologische Forschung sowie ein Museum. Aus finanziellen Gründen mussten diese Einrichtungen bereits Ende Juni 1911 wieder schließen.
    
                                                                               Huter-Denkmal in Bad Salzdetfurth-Heinde 
 
Keimblätter und Naturelle
 
Nach seinen langjährigen autodidaktischen Studien gelangte Huter zu einer Erklärung für die Naturelle, worunter er seine Körperbautypen versteht. Danach lassen sie sich im Wesentlichen auf die drei Keimblätter zurückführen, die kurz nach der Befruchtung entstehen:
 
- das innere Keimblatt (Entoderm), aus dem sich später die Verdau-
  ungs- und Stoffwechselorgane bilden,
 
- das äußere Keimblatt (Ektoderm), aus dem sich das Nervensystem und   die Haut entwickeln sowie

- das mittlere Keimblatt (Mesoderm), das für das Skelett, den Bewegungsapparat und das Blutsystem verantwortlich ist.

Da sich diese Keimblätter unterschiedlich kräftig entwickeln, wird das jeweilige Teilsystem stärker oder schwächer ausgebildet und führt so zur Naturellbildung. Da jeder Mensch alle drei Keimblätter besitzt und daher eine Mischung der jeweiligen Anlagen repräsentiert, müssen die Naturellbeschreibungen idealtypisch verstanden und benutzt werden.
 
                  Die psycho-physiognomischen Naturelle nach Huter 

 

Keimblatt
Organe
Primäre Naturelle
Physiognomische Merkmale
Psychische Merkmale
Entoderm
Verdauungs- und Atmungstrakt
Ernährungsnaturell
gedrungener Körper mit vollem Gesicht und Hals
egozentrisch
Mesoderm
Knochen/ Skelettmuskulatur
Bewegungsnaturell
langer, muskulöser Körper mit großen Händen, Nasen und Ohren
selbstbewusst, aggressiv
Ektoderm
Nervensystem, Haut
Empfindungsnaturell
kleiner, zarter feiner Körper mit edelgeformter Nase und Stirn
Engelsnaturen voller Liebe und Mitgefühl

 

   Studienkopf nach Huter
 
 
Die weitere Popularisierung der Psycho-Physiognomik
 
Nach Huters Tod im Jahre 1912 wurde die angewandte Psycho-Physiog-
nomik in zahlreichen Veröffentlichungen von Amandus Kupfer weiter ausgebaut, der zuvor bereits im Selbstverlag 1922 als AutorGrundlagen der praktischen Menschenkenntnis durch Augen-, Gesichts- und Körper-Ausdruckskunde. Nach Carl Huters Psycho-Physiognomik“ veröffentlicht hatte.
 
In der Folge des Ersten Weltkriegs, als Teile Oberschlesiens mit dem Firmensitz in Kattowitz an Polen fielen, wurde der Verlag vom Ehepaar
Kupfer 1919 in Schwaig bei Nürnberg neu gegründet und 1987 in die 
Schweiz verkauft wurde.
 
Dort hatte Fritz Aerni (geb. 1945) 1970 das Carl-Huter-Institut ins Leben gerufen, dem zwei Jahre später die Carl-Huter-Akademie ebenfalls in Zürich folgte. Während das Institut Beratungen bei der Schul-, Studien- und Berufswahl sowie –eignung anbietet, konzentriert sich die Akademie auf Ausbildungsangebote, die sich inzwischen auch auf das eLearning erstrecken. Schließlich war Aerni noch Gründer des Carl-Huter-Verlages, der vor allem die klassischen Werke Huters – so 1988 die „Menschen-kenntnis“ als Auftakt der Arbeit - und die Zeitschrift „Physiognomie und Charakter“ herausgibt. Hierin kann man eine Reihe von psycho-physiognomischen Analysen heutiger Promis finden. Dazu zählen u.a. Papst Benedikt XVI., Angela Merkel, Wladimir Putin und Nicolas Sarkozy.
 
Als Berufsverband der Psychophysiognomen wurde dann im Mai 1986 der
Carl-Huter-Bund gegründet. Ordentliches Mitglied kann nur werden, wer
die Ausbildung an einer vom Carl-Huter-Bund anerkannten Schule mit
Erfolg abgeschlossen oder wer die Aufnahmeprüfung beim Vorstand
des Carl-Huter-Bundes bestanden hat.
 
Daneben besteht in der Schweiz noch die Physiognomische Gesellschaft Schweiz PGS , die außer der Psycho-Physiognomik im
engeren Sinn zusätzlich die Kallisophie und die neue Ethik fördern
möchte.
 
Auch wenn die Lehren Huters in der Schweiz relativ zahlreiche Anhänger finden, sind sie auch in der Deutschland durchaus präsent, wo der 
eine Schwesterorganisation der PGS besteht. Er unterstützte u.a. eine Sonderausstellung über Carl Huter im Stadthistorischen Museum Bad Salzdetfurth, über das man weiteren Informationen einem Flyer
entnehmen kann.
 
1995 hat Frau Wilma Castrian (geb. 1932) das Institut für Psycho-Physiognomik gegründet, das 2011 von Angelika Nachbargauer übernommen wurde. In diesem Rahmen erfolgen neben der Herausgabe der Zeitschrift "Praktische Psycho-Physiognomik" u.a.  Ausbildungen zum Referenten für Psycho-Physiognomik.
 
Psycho-Physiognomie in der Praxis
 
Wie sieht nun die Arbeit eines Psycho-Phyiognomen aus? Unter der
Überschrift „Das Innere offenbart sich im Äußeren“ berichtete vor einigen Jahren ein Journalist in der Basellandschaftliche Zeitung  über ein Treffen mit Mitgliedern der Physiognomischen Gesellschaft Basel.
 
Der Zeitungsmensch sieht dabei alle Augen auf sich gerichtet und muss sich anhören, wie die Huter-Jünger über seine Charaktereigenschaften diskutieren.
 
Um sich aus dieser etwas heiklen Situation zu befreien, wählt  der
Journalist mutig eine Vorwärtsstrategie. Er fordert seine Persönlichkeits-
richter auf. „Sprechen sie nur über meine dunkelsten Seiten“. Daraufhin
klärt man ihn auf: „Sie haben keine dunklen Seiten. Wir wollen nur, dass Sie sich besser kennen und verstehen lernen.“
 
Damit  ist die Situation entspannt und ein knochenharter Typ mit viel Bewegungsnaturell kann feststellen, dass bei dem Zeitungsvertreter
„alles weicher und abgerundeter sei, was auf einen Ernährungsanteil
schließen lasse.“
 
Zwei Psycho-Physiognomen streichen ihm dann die Haare aus dem Gesicht. Danach attestieren sie eine breite Stirn, die technische Begabung ausdrückt. Auch entdecken sie Erhebungen, die auf Ordnungssinn und Organisation schließen lassen. Die Breite der Nasenwurzel zeigt für sie eine schnelle Auffassungsgabe, gutes Gedächtnis und Orientierungssinn an. Im spitzen Haaransatz erkennen sie schließlich noch Kritikbereitschaft und in den borstigen Haaren die Tendenz, immer wieder Neues anzureißen.
 
Aus der äußeren Form der Körperteile ziehen die Psycho-Physiognomen
jedoch noch intimere Schlüsse. So wollen sie am Hals die Sexualkräfte erkennen können; denn aus der Breite und Tiefe des Hinterhalses
schließen sie auf Enthaltsamkeit bzw. Sexbesessenheit. Auf diese Weise können sogar klerikale Geheimnisse offenbar werden, wenn man die Kardinäle von hinten fotografiert und sich ein erfahrener Huter-Schüler bei einem Blick auf das Bild nur schwer vorstellen, dass allen Klerikern die Unterwerfung unter den Zölibat gelingt.
 
Schließlich fragt der Journalist nach der wissenschaftlichen Qualität der Schlussfolgerungen. Dabei stellt sich heraus, dass Psycho-Physiognomen zumindest in Basel ihre Aussagen nicht für wissenschaftlich erhärtet halten. In ihrer Sicht haben die Beobachtungen und Aufzeichnungen den Physiognomen allerdings immer wieder Recht gegeben. Daher empfehlen sie die Physiognomie als hilfreich bei der Berufswahl sowie in Partnerschafts- und Gesundheitsfragen.
 
Nach dem Gespräch wurde der von Berufs wegen neugierige Zei- tungsmensch von Schärer, einem langjährigen Lebensberater, mit der
Sentenz „Wissen, verbunden mit Liebe, ist Weisheit“ auf den Heimweg geschickt.
  
Aber nicht nur der Körperbau insgesamt und das Gesicht (Antlitzdiagnostik) erhalten von den heutigen Physiognomen besondere Beachtung. Es gibt daneben auch DiagnostikerInnen, die die Hand (Chirologie) oder den Fuß (Füßiologie) „entdeckt“ haben und die markanten Strukturen interpretieren. In der beruflichen Praxis wird daneben auch die Körpersprache analysiert und in konkreten Situationen verbessert.
 
Helioda und Kallisophie
 
Weniger praktische Bedeutung in der Beratungspraxis besitzt Huters „alternative“ Naturwissenschaft, für die er eigens eine neue Terminologie entwickelt hat. In seiner universellen Weltsicht sieht er die Zelle als zentralen Baustein des Lebens, der eine besondere „aristokratische Lebensenergie" besitzt, die Huter „Seele“ nennt. (Huter, S. 47)
 
Der Mensch zeichnet sich dabei gegenüber den Tieren dadurch aus, dass er „dazu befähigt“ ist, „die äußeren Dinge zu bessern und einen
Idealzustand nicht nur für sich, Leben, Körper und Seele der eigenen Persönlichkeit, sondern auch für andere Mitwesen anzubahnen.“
(Huter, S. 47)
 
Die Kraft der Helioda kann mit ihrer „befruchtenden Liebe“ (Huter,
S.35) nicht nur im Menschen, sondern auch in der Natur und im
Universum zu immer vielfältigeren, schöneren und harmonischeren
Formen der Organisation und Lebendigkeit.“ Diese “ Lebenshaltung“, die „danach strebt, das Wesen der Schönheit und der Weisheit zu ergründen", bezeichnet Huter als Kallisophie. (kallisophie.ch)
 
Menschenkenntnis und Weltverbesserung
 
Gestützt auf Menschenkenntnis und die kallisophische Überzeugung
streben Huter und seine Anhänger eine Verbesserung der Welt an. Sie wollen, wie es Aerni ausdrückt, an einer „neuen Welt“ bauen, „ an einem neuen Menschen, an einer neuen Kultur, an einer guten, fortschrittsfreudigen und friedlichen Zukunft“ (Aerni, S. 49)
 
Dazu müssen Gesetzgeber und Staatsmänner, "nach diesen neuen Lebensgesetzen weiser und edler beobachten, denken und handeln
lernen und manches besser machen, als es ihnen bisher möglich war." (Huter, S. 54)
 
Auch die Religion soll „völlig umgestaltet und im Einklang mit der
Wissenschaft mehr Glück und Harmonie unter die Menschen bringen“. (Huter, S. 54
 
Den Schlüssel zu dieser neuen Welt sieht Huter in der Psycho-
Physionomik: „Jeder hat Recht auf Lebensvervollkommnung und
Lebensglück, und daher hat jeder nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, sich praktische Menschenkenntnis anzueignen!“ (Huter, Vorwort von 1904)
 
Psycho-Physiognomik im Netz
 
Falls zu der komplexen Lehre Huters oder zum eigenen Leben Fragen bestehen, können sie in einem Forum gestellt und diskutiert werden.Ein nicht ganz leichtverständliches Video über Albrecht Dürer illustriert die Darstellung innerer Zustände durch phyiognomische Merkmale und stellt den Zusammenhang zwischen idealen Proportionen und wahrgenommener Schönheit heraus.
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(1) Fotos vom Huterdenkmal in Heinde und der Huter-Ausstellung im Museum Bad Salzdetfurth findet man hier.
Quellen:
Aerni, Fritz, Physiognomk: Die Sprache der Natur. Interview zur Huter’schen Psychophysiognomik und Kallisophie, Zürich 2008.
Huter, Carl, Menschenkenntnis durch Körper-, Lebens- Seelen- und Gesichts-Ausdruckskunde auf neuen wissenschaftlichen Grundlagen. Fünf Unterrichts-Briefe zur Einführung in die Elementenlehren der Huterschen Psycho-Physiognomik, die Lehre von der natürlichen Offenbarung des organischen Lebens, 2. Aufl. Breslau 1929.
NN, Das Innere offenbart sich im Äusseren, in: Basellandschaftliche Zeitung vom 8.12.2007.
 
Internetangebote: www.carl-huter.ch oder www.carl-huter.de (Carl-Huter-Verlag)www.kallisophie.ch (Seite von Mathias Claus ) www.physiognomik-forum.de (Seite von Joachim Bauer) und www.poldi.ch (Seite von Paul Schärer).
 
 
 
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