Die Psychographie: 81 Typen

Eine "lösungsorientierte" Typologie

Der psychoanalytische Hintergrund

Nicht C.G. Jung, sondern Vertreter der eher klassischen Psychoanalyse
standen am Anfang der sehr langen Typisierungskette, die zur
Entstehung der Psychographie durch den Psychotherapie-Entwickler (1)
Dietmar Friedmann (geb. 1937) geführt hat. Die theoretischen
Grundlagen werden daher zunächst in den Stufen der frühkindlichen
Entwicklung bei Freud gesehen, der zwischen oraler, analer und
phallischer Phase unterschieden hat.
 
Diese Ansätze wurden später von den Psychiatern Harald Schultz-
Hencke (1892 - 1953) und Fritz Riemann (1902 – 1979) weitergeführt.
Vor allem durch das Erziehungsverhalten, auch wenn es vielleicht
nicht durch Gewalt, sondern nur durch Lieblosigkeit und mangelnde Be-
stätigung gekennzeichnet ist, wird für Schultz-Hencke das Kind in
seinem natürlichen Entfaltungsdrang eingeschüchtert und damit in
seinem Streben gelähmt. Dadurch entstehen in frühester Kindheit
Hemmungen im Besitzstreben, beim Geltungswillen und in der
Sexualität, aus denen später die moralisch oft kritisierten
Leidenschaften wie Habsucht beim Besitzstreben, Stolz beim
Geltungswillen und "Wollust" bei der Sexualität resultieren, wie man es
damals ausgedrückt hat.
 
Riemann unterscheidet bei den Wirkungen der frühkindlichen Sozialisa-
tion ähnlich wie Schultz-Hencke Störungen, die er als vier Grundformen
der Angst herausarbeitet. Es sind dies:
 
-  Die Angst vor der Selbsthingabe, die als Ich-Verlust und Abhängig-
   keit erlebt wird;
- Die Angst vor der Selbstwerdung, die als Ungeborgenheit und Iso-
  lierung erlebt wird;
- Die Angst vor der Wandlung, die als Vergänglichkeit und
  Unsicherheit erlebt wird;
- Die Angst vor der Notwendigkeit, die als Endgültigkeit und Unfrei-
  heit erlebt wird. (Riemann, S. 15)
 
Die Persönlichkeitstypen nach Friedmann
 
In diesen Beschreibungen bei Riemann sieht Dietmar Friedmann Karika-
turen gesunder Persönlichkeiten, die für ihn nur interessant und auf-
schlussreich sind, weil durch die Überzeichnungen wichtige Eigenschaften
verdeutlicht werden. Friedmann arbeitet daher weiter mit diesem Typen-
muster, ändert jedoch die Bezeichnungen mit ihrem Hintergrund in der
Neurosenforschung.
 
 
                              Frühkindliche Entwicklungsprobleme und 
                                       Persönlichkeitsstrukturen
 

Alter des Kindes
Phase nach Freud
Neurosenstruktur nach Freud
Angstform nach Riemann
Persönlichkeitstypen
nach Friedmann
1. Lebenshalbjahr
(Frühe) orale Phase
schizoid
Angst vor der Selbsthingabe
Beziehungstyp 1
2. Lebenshalbjahr
Späte orale oder narzisstische Phase
depressiv
Angst vor der Selbstwerdung
Sachtyp
2.-3. Lebensjahr
Anale Phase
zwanghaft
Die Angst vor der Wandlung
Handlungstyp
4.-5. Lebensjahr
Phallische Phase
hysterisch
Die Angst vor der Notwendigkeit
Beziehungstyp 2

Der von Friedmann für sein Persönlichkeitsmodell seit 1990 verwendete
Begriff Psychographie wurde ursprünglich von dem Psychologen Gordon
W. Allport in die Persönlichkeitspsychologie eingeführt, um ein Individu-
um durch Bewertungen in Form von Maßzahlen innerhalb eines Psycho-
gramms umfassend darzustellen. Friedmann versteht darunter hingegen
eine „Landkarte der Persönlichkeit“. 
Friedmanns Strukturtypen
 
Die Elemente dieser Landkarte findet man in der folgenden Checkliste
für Strukturtypen. Dabei fällt auf, dass die üblichen mentalen Merkmale
nur eine recht untergeordnete Rolle spielen, während der Schwerpunkt
auf eher äußerlichen Beobachtungen liegt wie Gang, Haltung, Gesichts-
ausdruck und Kleidung.
 
                        Checkliste für Strukturtypen
                                (Friedmann, S. 16)
 
Merkmalsbereich
Beziehungstyp
Sachtyp
Handlungstyp
Gesamteindruck
kontrolliert-
dynamisch (BT1)
liebenswürdig-
lebendig (BT2)
sinnend,
ruhig,
leger
solide,
ordentlich,
kraftvoll
Haltung
aufrecht,
gestreckt
entspannt,
locker
tatkräftig,
respektierend
Gang
elegant, gewandt,
steht beweglich
lässig, schlendernd,
steht unruhig
kräftig, geradezu,
steht fest
Kleidung
modisch,
geschmackvoll
bequem,
praktisch
konservativ,
solide
Stimme
hell, klar,
melodisch
tief, leise,
monoton
kräftig, deutlich,
bestimmend
Gesichtsausdruck
angespannt,
lebendig, lächelt
gewinnend
ernst, indifferent,
lächelt verschmitzt
energisch, recht-schaffen, lacht herzlich
Sprache
kontaktfähig-analytisch
anschaulich-energetisch
bestimmend-kollegial
Wertsystem
erkenntnisgeleitet
erfolgsgeleitet
sympathiegeleitet
Beziehungsverhalten
braucht Freiräume,
emotional,
kontaktfreudig,
dominierend
 
ausgleichend,
sachlich,
konfliktscheu,
rebellisch
kameradschaftlich,
hilfsbereit,
konfliktfähig,
einschränkend
Spiele
Retter- und Machtspiele
Opfer- und
Zuwendungsspiele
Verfolger- und Sicherheitsspiele
Ziele
Souveränität statt
Dominanz
Autonomie statt
Rebellion
Identität statt
Identifizierung
 
Die Entwicklung der psychographischen Landkarte Winklers
 
Auf dieser Grundlage entwickelte der Buchautor und Kalligraf (1) Werner Winkler die Psychographie81®. Sie verknüpft das typologische Konzept 
mit dem "lösungsorientierten Ansatz" nach Paul Watzlawick und Steve
de Shazer, weshalb sie auch “lösungsorientierte Menschenkenntnis”
genannt wird. Gemeint sind damit Versuche, die sich stärker auf
Lösungen konzentrieren und weniger auf die Entstehung von Problemen
wie beispielsweise in der Psychoanalyse.
 
Ein konkretes Beispiel für die psychographische Vorgehensweise bietet
daher das Verhalten eines Tübinger Arztes, von dem berichtet wird, dass
er seine Patienten bei jedem Besuch gefragt hat „“Was haben Sie denn
seit dem letzten Mal über Ihre Beschwerden herausgefunden?” Auf diese
Weise wird jeder Klient als Experte für sein Leben betrachtet und in
seinem Selbstwertgefühl gestärkt. (99 Lösungswerkzeuge, S. 26)
  
              Die psychographische Landkarte Winklers  
                                   (nach Winkler (1999))
 
Strukturtypen (Friedmann)
Grundbereiche
Beziehungsebene
Zeitebene
Tätigkeitsebene
Beziehungstyp
Relationiker
Du-Verbundene
Gegenwartsorientierte
Fühler
Sachtyp
Temporiker
Ich-Verbundene
Vergangenheitsorientierte
Denker
Handlungstyp
Aktioniker
Wir-Verbundene
Zukunftsorientierte
Macher
 
Das Modell der Psychographie81®
 
Die konkreten Erfahrungen, die bereits Friedmann mit seinen Klienten
gemacht hat und die später in der psychographischen Diskussion ergänzt wurden, deckten die Schwächen einer Typologie auf, die nur drei
Kategorien kennt und daher der Vielfalt menschlicher Eigenschaften
kaum gerecht werden kann. So führte Friedmann bereits 1990 beim
Beziehungstyp die beiden Untertypen “ich-bezogen” und “ich-verges-
send” ein. Später nahm Winkler mit seiner „Landkarte der
Psychographie“ eine weitere Differenzierung vor, bei der er 1999 die
Triaden für die Grundtypen vollständig von denen der Untertypen
entkoppelte, worin ihm Friedmann nur teilweise folgte. Bei genauer Betrachtung muss daher heute zwischen einem Psychographie-Modell
“nach Friedmann” und einem “nach Winkler” unterschieden werden.
 
Winkler differenziert so in seiner Psychographie81® die drei
Strukturtypen Friedmanns. Dabei arbeitet er neben den Grundbereichen
die Ebenen Beziehung, Zeit und Tätigkeit heraus, und zwar durch
jeweils drei Subkategorien. Das gilt im Grundbereich für die
Differenzierung in Relationiker, Temporiker und Aktioniker. In der
gewählten Terminologie gibt es also noch Anklänge an Friedmann Strukturtypen. Die drei weiteren Trilogien bestehen auf der
Beziehungsebene aus Du-, Ich- und Wirverbundenen, auf der Zeitebene
aus Gegenwarts-, Vergangenheits- Zukunftsorientierten sowie
schließlich auf der Tätigkeitsebene aus Fühlern, Denkern und Machern.
  
Innerhalb dieses Modells nimmt man an, dass jeder Mensch vier Lebensbereiche bevorzugt, und zwar einen aus jeder der vier
Dreiergruppen. Dieses “4aus12-Modell” führt damit zu 3x3x3x3
Kombinationen aus Grundbereichen und Ebenen bzw. psychographischen
Typen, die man durch einen entsprechenden Zahlencode kennzeichnet.
(Typunterschiede, S. 15) So ordnet sich beispielsweise Winkler als
„Beziehungstyp, wir-bezogen, zukunftsorientiert, Denker“ ein und erhält
daher den Typencode 1332. (Forum)
 
In der Beziehungsebene steht bei Winkler die Analyse der Sprache im Vordergrund, wo er zwischen Du-, Ich- und Wir-Erzählern unterscheidet (Typunterschiede, S.98).  Auf der Zeitebene betrachtet er die
Fokussierung der Aussagen, die sich überdurchschnittlich häufig auf
die Gegenwart, die Vergangenheit oder die Zukunft beziehen können (Typunterschiede, S.100). Beim Blick auf die Tätigkeitsebene zeigen sich schließlich Abweichungen in der Reaktion auf die  Mitmenschen; denn
während die Fühler sehr genau wahrnehmen, können die Denker zwar
die Reize gut verarbeiten, aber nur schwer in Worte umsetzen. Macher
hingegen reden gern, ohne teilweise überhaupt ihre Umgebung
wahrzunehmen.(Typunterschiede, S. 102)
 
In der Beziehungsebene steht bei Winkler die Analyse der Sprache im Vordergrund, wo zwischen Du-, Ich- und Wir-Erzählern unterschieden
werden kann (Typunterschiede, S.98). Auf der Zeitebene betrachtet er
die Fokussierung der Aussagen, die sich überdurchschnittlich häufig auf
die Gegenwart, die Vergangenheit oder die Zukunft beziehen können (Typunterschiede, S.100). Beim Blick auf die Tätigkeitsebene zeigen sich schließlich Abweichungen in der Reaktion auf die  Mitmenschen; denn
während die Fühler sehr genau wahrnehmen, können die Denker zwar
die Reize gut verarbeiten, aber nur schwer in Worte umsetzen, reden 
Macher reden gern, ohne teilweise überhaupt ihre Umgebung
wahrzunehmen.(Typunterschiede, S. 102)
 
Die Beschreibung der Grundtypen Sach-, Handlungs- und
Beziehungstypen besteht aus einer Vielzahl von Einzelbeobachtungen
(Ebenda, S. 74ff.), die teilweise den psychischen
Persönlichkeitsmerkmalen in der Checkliste von Friedmanns
Strukturtypen (siehe weiter oben!) entspricht. 
 
Aber es gibt auch eine Reihe von Erweiterungen, die vor allem in der Typisierungspraxis gewonnen wurden und die hier kurz exemplarisch
erwähnt werden sollen. So sind die Sachtypen (STs) mit der Zeit
‘verheiratet’, wie die Psychographen berichten, und handeln wesentlich konzentrierter als die ablenkbaren Beziehungstypen (BTs). Man findet
sie daher vor allem in Berufen, die Geduld und Ausdauer verlangen.
Antworten wie “Auf die Schnelle kann ich dazu nichts sagen” oder “Da
muss ich erst einmal genau nachforschen” sind daher nicht selten, weil
die STs vor jeder Handlung stets die Vor- und Nachteile kalkulieren. (Gesamtordner, 1.3.1)
 
Bei Handlungstypen (HTs) steht die Arbeit im Vordergrund, die sie
perfekt erledigen wollen. Häufig nehmen sie in ihrem Leben eine „Nein-Haltung“ ein, die ihnen,  falls sie sich zu einer negativen Weltsicht 
verfestigt, jegliche Lebensfreude raubt. (Gesamtordner 1.4.1)
Beziehungstypen fällt im Gegensatz zu den HTs der Beginn neuer
Beziehungen leicht, sodass sie über ein weites Netz von Freunden und
Bekannten verfügen. Probleme bereiten ihnen eher sachliche Aufgaben
wie z.B. eine finanzielle Planung. Typisch sind für diese leicht
begeisterungsfähigen Menschen auch ihre breiten, häufig wechselnden
Interessen und nicht zuletzt ihre Vorliebe für ein buntes und
vielfältiges Leben. (Gesamtordner 1.5.1)
 
Unter den Psychographen ist ein lockerer Umgang mit der Stärken und
Schwächen der Typen recht beliebt. Dabei konzentriert man sich in der
Regel auf die drei Grundtypen, über die gern Beobachtungen ausge-
tauscht werden, die holzschnittartig den Kern der Typen herausstellen.
 
So soll beispielsweise ein weiblicher BT auf einer Party ein T-Shirt mit 
der Aufschrift „Drama Queen“ getragen haben, das ihr Freunde nach
sorgfältiger Überlegung geschenkt hatten. Steht hier die Lust an
spannenden Erlebnissen im Vordergrund, werden von einer HT-Frau
ständige Verweise auf ihre Arbeit und harten Lebensumstände berichtet,
ja, sie soll sogar behauptet haben: „Zum Glücklichsein fehlt mir eine
wichtige Grundlage: Arbeit“.
 
Die Eigenschaften lassen sich auch als Wissensfrage formulieren, wenn
man sich nach dem Unterschied zwischen HT und ST erkundigt. Die
Antwort lautet: „Der HT putzt sein Auto mindestens alle zwei Monate
und der ST kann sich nicht daran erinnern, es überhaupt mal geputzt zu haben“. Bei der vielfach schwäbischen Herkunft zahlreicher
Psychographen sind das sicherlich überraschende Zeitintervalle. (Forum)
 
Viel Interesse finden auch Beobachtungen von der Partnersuche durch
STs, BTs und HTs. Ein Blick auf Anzeigen von vermutlichen Beziehungs-
typen weist auf eine Betonung ihrer Attraktivität und ihres Sex-Appeals
hin, wenn Schönheit und Jugend das wichtigstes Attribut zu sein
scheinen. Hinzu tritt die ausgeprägt emotionale Thematisierung der Liebe, wenn die Sehnsucht nach Zuneigung, Gefühlen und Zärtlichkeit angesprochen wird. 
 
Sachtypen scheinen hingegen zunächst häufig "nur" einen Freund zu
suchen. Damit bleibt der ST recht unverbindlich, obwohl er vielleicht 
auf seine lange Einsamkeit und den Wunsch nach Treue hinweist.
Emotionen scheinen nicht gerade weit oben auf der Liste der Persönlich-keitsmerkmale zu stehen, wenn im Forum von einem Frischverliebten die
wenig romantische Aussage überliefert wird. "Das scheint ganz gut zu 
passen! Sie kann kochen und ich esse gern“.
 
HTs geben relativ gern Beschreibungen ihres Äußeren und vergessen
auch nicht, ihren beruflichen Status, der ihnen viel Zeit abverlangt, und
ihren Besitz von Haus und Garten zu erwähnen. (psychographium)
 

Für die Psychographen können aus der Nutzung ihrer typspezifisch

bevorzugten Option Probleme resultieren, also beispielsweise eine an

den Pietismus erinnernde Arbeitshaltung der Handlungstypen, denen in Extremfällen nicht nur der Verlust ihrer sozialen Kontakte, sondern sogar jeglicher Lebensfreude droht. Lösungsansätze können hier in den „auf

Grund der Typunterschiede vernachlässigten Möglichkeiten“ liegen. Im Beispielfall kann das eine Stärkung der vernachlässigten Kompetenzen

im Rahmen des Coachings sein. (Typunterschiede, S. 91)

 
Neben der betonten Lösungsorientierung besitzt die Psychographie
einen fast familiären Charakter, wenn ihre Vertreter die drei Grundtypen
durch Farben markieren. Dabei steht nach ihrer Konvention gelb  für Beziehungs-, blau für Sach- und rot für Handlungstypen.
 

Diese guten Absichten können jedoch nicht die zentrale Schwachstelle

der Psychographie kompensieren; denn sogar nach dem Urteil der

Vertreter dieser Typologie muss sie als ein Modell eingestuft werden, für

 

die es derzeit keine objektiven “Beweise” gibt, sodass sie "keinen

allgemeinen Gültigkeitsanspruch im Sinne einer objektiv überprüfbaren Wahrheit“ erheben kann. (Typunterschiede, S. 15)

 

Das Konzept der Typgerechtigkeit

 

Eine ganz zentrales Anliegen der Psychographie ist die Typgerechtigkeit.
Danach soll jedes Individuum sich selbst und andere besser verstehen
lernen, um auf diese Weise die Voraussetzungen für einen typgerechten Umgang zu gewinnen. Gleichzeitig wird erwartet, dass mithilfe der psychographischen Sicht die „typbedingten Verhaltensweisen,
Bedürfnisse und Kommunikationsstile“ der anderen respektiert werden.
Dank dieses Wissens muss niemand mehr gezwungen sein, „von sich auf andere zu schließen“  und damit durch Fehlurteile Konflikte mit den Mitmenschen auszulösen.
Dank dieses Wissens muss niemand mehr gezwungen sein, „von sich auf andere zu schließen“ und damit durch Fehlurteile Konflikte mit den Mitmenschen auszulösen. Im Detail ist es deshalb wichtig, dass man
erfährt, welche unterschiedlichen Probleme und Beschwerden für die
jeweiligen Interaktionspartner typisch sind und was den unterschiedlichen Typen hilft oder sie ärgert. (Sachtyp, Handlungstyp, Beziehungstyp, S. 4)
 
Ein embryonales Erklärungsmuster
 
Winkler stellt ein neues Erklärungsmuster vor, dass die Eltern und vor
allem die Mutter im Vergleich zu den Psychoanalytikern entlastet, da es
auf eine eher zufällige räumlichen Lage des Embryos zur mütterlichen
Schleimhautwand zurückgreift, wodurch eine unterschiedlich stabile Zu-
fuhr an Nährstoffen und damit spezifische Grundprägungen des Kindes
verbunden sein sollen.
 
Liegt der Embryo “unter” der Schleimhautwand, wird die Zufuhr von Blut
und den darin enthaltenen Nährstoffen durch die Schwerkraft
unterstützt. Der Embryo erlebt so eine Welt, in der er stets gut und
mühelos versorgt wird. Er fühlt sich willkommen, womit die
Voraussetzungen für einen Beziehungstyp gegeben sind.
 
Ganz anders sieht es aus, wenn der Embryo “über” der Schleimhautwand
liegt, da in diesem Fall die Blut- und Nährstoffversorgung gegen die
Schwerkraft erfolgen muss, sodass eine permanente Arbeit und
Anstrengung erforderlich sind. Dieser Krafteinsatz ist für den Embryo mit “Erfolg” verbunden, was dem Grundmuster des Handlungstyps entspricht.
 
Schließlich kann als dritte Möglichkeit der Embryo “seitlich” zur Schleim-
hautwand liegen. Dadurch wirkt sich die Schwerkraft nur zeitweise und
eher zufällig auf die Blut- und Nährstoffzufuhr aus, wobei sich die
kleinste Bewegung des Embryos positiv oder negativ auswirken kann. Auf
diese Weise erhält die zeitliche Komponente, d.h. das geduldige Abwarten
und das ökonomische Haushalten mit Vorräten, schon früh eine
lebenswichtige Bedeutung. Damit entstehen zentrale Merkmale des
Sachtyps.
 

Die organisatorische Entwicklung der Psychographie

Nachdem Winkler 1999 seine „Landkarte der Psychographie“ mit den drei
Friedmannschen Typen und bis zu 81 Untertypen erstellt hatte, 
gründeten Friedmann und Winkler im selben Jahr als gemeinnützigen
Verein die „Psychographie-Initiative", die inzwischen (2010) ca. 160
Mitglieder besitzt. (1) Sie veranstaltet u.a. die Psychographie-
Tage in Stuttgart, zertifiziert „Psychographische Typberater (PGI)“ und
unterhält ein Archiv. 2003 nahm dann das virtuelle Institut für
fachwissenschaftliche Psychographie (IFP) seine Arbeit auf.
 
Untersucht wurden u.a. die Ähnlichkeiten der Gesichter unterschiedlicher
Typen, wobei kein deutlicher Zusammenhang nachzuweisen war. Ein
weiteres Projekt thematisierte die Häufigkeit der Typkombinationen bei
Paaren, wobei beim letzten Stand der Erhebung (August 2008) Daten
für 609 Paare ausgewertet werden konnten. Nach ihrer Auswertung
sind Kombinationen von Handlungs- und Sachtypen leicht
überrepräsentiert und haben die längste Beziehungsdauer. Insgesamt
scheinen typgemischte relativ häufiger als typgleiche Paare zu sein. (Typunterschiede, S. 142 )
 
Die Psychographie im Netz
 
Mag auch die Zahl der Psychographen überschaubar sein, so findet man
dennoch ein umfassendes Informationsangebot über dieses
Typisierungsmodell im Netz. So gibt es eigenständige Auftritte des
Vereins , der Akademie und des Instituts. Ein spezielles Portal
mit „Informationen und Links zum Thema von A bis Z“, wo sich
auch eine Reihe psychographischer Texte downloaden lässt, wird
noch durch eine Materialsammlung zur Psychographie ergänzt.
Sogar ein spezielles Angebot für Kinder ab dem Lesealter steht zur Verfügung.
 
Weiterhin lässt sich die eigene Typzugehörigkeit durch einen
2004 von Friedmann (Gesamtordner, 1.1)) zusammengestellten
Test bzw. einen Test von Winkler mit 99 Items ermitteln. Offene Fragen können in einem Forum diskutiert werden.
 
 
 
Quellen:
Friedmann, Dietmar, Der Andere. Sich verstehen und wertschätzen, München 1990
Ders., Die Entdeckung der eigenen Persönlichkeit. Kompetenz und Lebensqualität, München 1991.
Riemann, Fritz, Grundformen der Angst. Eine tiefenpsychologische Studie, München/Basel 1986.
Schultz-Hencke, Harald, Der gehemmte Mensch. Entwurf eines Lehrbuches der
Neo-Psychoanalyse, 3. unveränderte Auflage, Stuttgart 1969
E-Book 2008.
Ders., Gesamtordner Psychographie, E-Book 2011.
Ders., 99 Lösungswerkzeuge. Praxis der Problemlösung, E-Book 2008.
Internetangebote: www.psychographen.dewww.psychographie.de  und (1) Wikipedia.
 
 

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